Endlich wird's mal angesprochen. Hier der Text von morgenweb.de:
Werbung trübt die Sicht aus den Bahnen
Reklame auf den Fenstern stört so manchen Fahrgast / RNV will auf Transparenz achten
Verführerisch räkelt sich die Dame auf der Stadtbahn, ein Blickfang ist das auf jeden Fall. Ein Textilunternehmen hat das riesige Bild auf einen Waggon der RNV kleben lassen, so groß, dass auch die Fenster der Bahn davon bedeckt sind. Und da fängt das Problem an. Während nämlich von außen viele Blicke auf der beklebten Bahn hängen bleiben, ist die Sicht aus dem Inneren der Wagen nach draußen getrübt, finden einige Fahrgäste.
"Man kann einfach nicht mehr normal auf die Straße schauen", bemängelt ein "MM"-Leser und ergänzt, das würde nicht nur ihn stören, seine Kinder fänden "das Dunkel in der Bahn auch nicht toll". Ilse Schmitt sieht das ähnlich, sie hat sich auch schon an die RNV gewandt mit der Bitte, die Fenster doch künftig freizuhalten von der Reklame, und ein regelmäßiger Bahnfahrer schreibt, in den beklebten Wagen fahre es sich "in etwa so wie in einer U-Bahn".
Eine Einschätzung, die Michael Böhm, Sprecher der RNV, so nicht teilt. "Man kann schon noch rausschauen, nicht zu 100 Prozent, aber doch zu etwa 70 Prozent." Allerdings musste auch er bereits feststellen, dass die "Ganzfahrzeugwerbung", wie es offiziell heißt, "auf ein unterschiedliches Echo" stößt. Während sich die einen an den oft aufwendig gestalteten, großen Bildern erfreuten, störten sich die anderen an der eingeschränkten Aussicht.
Die großflächigen Werbebotschaften werden von außen als Folie auf die Bahnen geklebt. Die Bereiche der Fenster, so heißt es bei der RNV, müssten dabei möglichst transparent sein. Konkret bedeutet das, dass der Druck an diesen Stellen grob gerastert ist. Von innen schaut man also durch das Bild hindurch. An einigen Stellen fällt das manchmal tatsächlich nicht ganz leicht. "Weniger als zwei bis drei Prozent" der RNV-Bahnen seien derzeit mit solchen Klebebildern versehen.
Warum die Verkehrsbetriebe die Einkleidung ihrer Bahnen in Werbebilder zulassen, ist klar. Für eine solche Beklebung müssten die Firmen das Vielfache von einer normalen Werbung bezahlen. "Und diese Einnahmen kommen ja auch wieder unseren Fahrgästen zugute, weil wir damit das Angebot und den Service finanzieren", argumentiert der RNV-Sprecher. In der vergangenheit habe es vereinzelt Entwürfe gegeben, die an einigen Stellen nicht transparent gewesen seien - "bisher waren wir da tolerant, in Zukunft achten wir noch stärker darauf, dass die Gäste aus der Bahn rausschauen können", so Böhm. bro
Mannheimer Morgen
04. August 2007
Das mit den 70% ist aber auch nur zum Teil wahr. In der Tat gibt es zwei verschiedene Ausführungen solcher Werbungen. Beide lassen sich beim Wagen 704 sehr gut nachvollziehen. Die eine Möglichkeit ist, eine wirklich gelochte Folie zu benutzen (beim 704 bei den Schriftzügen auf dem Front- und Heckteil). Hier kann man wirklich noch, etwas abgedunkelt, recht gut rausschauen und sogar kleine Schriften an Haltestellen oder Busanzeigen entziffern. Geht man allerdings in die komplett zugeklebten Wagenteile, trifft man auf eine andere Ausführung. Hier ist es eine klare Klebefolie, die gerastert bedruckt ist. Die Oberfläche dieser Folie ist allerdings nicht absolut eben wie eine Glasscheibe, was dazu führt, dass man durch die Löcher im Druck nur verschwommen sehen kann. Hier wird es praktisch unmöglich, Buszielbeschilderungen oder Haltestellenschilder zu lesen.
Auch wenn ich generell nichts von den zugeklebten Fenstern halte, mit ersterer Variante kann man leben, aber bei letzterer sind die Fenster nur noch ein Sieb zur notdürftigen Ausleuchtung des Innenraums, zu Informationszwecken sind sie absolut nicht mehr zu gebrauchen.
Im Übrigen sind auch glatte Folien möglich. Ich habe vor einigen Wochen in einem 425 unserer S-Bahn gesehen, dass dort die Scheiben als Schutz gegen Zerkratzen mit einer Folie beklebt waren. Das habe ich aber nur an einer Stelle erkannt, wo man versehentlich einen kleinen Schmutzpartikel miteingeklebt hatte. Ansonsten absolut klar. Und auch die Folien, mit denen die Führerstandsfenster zum Fahrgastraum hin in den RNV abgedunkelt sind, sind absolut klar zu durchschauen. Ich frage mich daher, warum das bei der Werbung nicht möglich sein soll...
Gruß,
Christian