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V100 - Mein erstes Lokprojekt (mB) (2986 Klicks)

18. November 2017 23:04
Mahlzeit,

nachdem ich beitragsmäßig über die Sommerpause wieder etwas ausgesetzt habe, bot sich das heutige Wetter geradezu an, mal wieder einen Bastelbericht zu schreiben.

Im heutigen Bastelbericht geht es um einen schon seit vielen Jahren gehegten Projektwunsch, ein Modell der V100 in 1:22,5, natürlich auf 64 mm Regelspur.
Wer schon mal den ein oder anderen Bericht von mir gelesen hat, wird wissen, dass ich modellbaumäßig eher aus dem Straßenbahnsektor komme, der ja in 1:22,5 eine relativ große Eigenbauszene hat.
Dem Wunsch auch im Vollbahnsektor einiges zu machen stand die Finanzierungsfrage gegenüber und natürlich fehlendes know-how, das ich mir schrittweise aneignen muss. Nach einem Dieseltriebwagen „Ferkeltaxe“( [www.buntbahn.de] ), der ja der Straßenbahn etwas näherliegt, wollte ich mich nun an eine Lokomotive wagen.


Erstmal sollte es was Kleines und (vermeintlich) einfaches sein. Da ich generell eher der Freund der Klassiker als der Exoten bin, sollte es irgendwas Alltagsprägendes aus dem DB-Sektor sein. Zudem möglichst eine Fahrleitungsunabhängige Diesellok sein, die auch auf Nebenbahnen anzutreffen ist und vor Güter- wie Personenzügen eingesetzt werden kann. Damit wären wir so im groben in der Auswahl zwischen der V100 und irgendwas V160-mäßigem.




Meine Entscheidung fiel auf erstere. Natürlich in Ozeanblau-Beige, was dieser Lok unglaublich gut zu Gesicht steht. Als jemand, der zwar Dampfloks auch schönfindet, aber das ganze kultige Zeug aus Bundesbahnzeiten wie V100, Schienenbusse, 103er, Einheitsloks, InterCitys oder 420er und Züge die man in alten Tatorten sieht vorziehen würde, fühle ich mich ohnehin eher in der Epoche IV beheimatet. Und das obwohl ich sie kaum noch miterlebt habe. Genaugenommen kann ich mich an eine einzige V100 in Kindertagen erinnern, die ich in Ochtmissen auf an der Buchholzer Bahn mit einem Güterzug gesehen habe. Und die war auch Ozeanblau-Beige. Ansonsten bestand die Eisenbahn schon in meiner frühesten Kindheit aus weißen ICEs und odolfarbenen 628.




Nachdem ich dieses Projekt einige Jahre im Hinterkopf hatte, fand sich ein Abnehmer für eine weitere V 100. Damit war die Finanzierungsfrage gelöst. Die zweite Lok sollte in Epoche III und altrot sein, wie auf diesem Foto von Werner Rabe aus dem Jahr 1965 zu erkennen.

Noch ein paar Worte zum Vorbild:

In den 1950ern beschloss die Bundesbahn universell einsetzbare Diesellokomotiven zu beschaffen.
Ab 1958 wurde die ersten V100 in Dienst gestellt. Sie wurden bis 1965 gebaut von verschiedenen Herstellern. Zu nennen wären MaK, Deutz, Krupp, Henschel, Krauss-Maffei, Jung und M.E.





Hier ist eine V100 im Vergleich zur vorhergehenden V80 aus dem Jahr 1951 zu sehen. Das Foto machte Werner Rabe 1965.

Bei der Entwicklung der V100 konnte aus den Erfahrungen mit der V80 gelernt werden. Diese ersten V100 wurden ab 1968 als Br. 211 geführt.

Ab 1962 wurde eine leistungsstärkere Variante der V100 ausgeliefert. Sie war etwas länger und an einigen optischen Details zu erkennen. Dabei blieb der eigentliche Rahmen der Lok konstruktiv unverändert und wurde auf der Seite des Motorvorbaus etwas „angestückelt“. Das ist auch später beim Modell zu erkennen.




Hier ein von Werner Rabe aufgenommenes Bild einer V100 10, einer späteren 211.




Und hier noch eine.




Hier zum Vergleich eine spätere 212. An der Front der Motorseite erkennt man sie (von der erstgebauten einmal abgesehen) von weitem an den senkrecht verlaufenden Lüfterlamellen, während die bei der 211 waagerecht verlaufen und durch ein Gitter abgedeckt sind.

Bei meinem Modell entschied ich mich aus subjektivem Wohlgefallen für die 212.


Hier noch zwei Bilder von Werner Rabe aus der Epoche III:






Ab Mitte der 1970er Jahre wurde das neue Farbschema in Ozeanblau-Beige eingeführt, welches diese drei Maschinen im BW Kaiserslautern tragen.



Dieses Foto, das ich dankenswerterweise beim DSO/RNLF-User Lokleitung raubkopieren durfte, zeigt auch einige Detailunterschiede innerhalb der Baureihe, so zum Beispiel die Griffe an den Seitenblechen. Ich entschied mich für die Variante der 212 015 aufgrund der einfacheren Umsetzbarkeit, womit es dann eine Jung-Lok werden sollte.


Damit die Loks dann hinterher nicht ganz ohne Behängung herumfahren müssen, mussten noch zwei passende und möglichst kleine Wagen her. Dabei entschied ich mich für dreiachsige Umbauwagen. Ein Paar davon an die Lok gehängt und das ergäbe einen vollwertigen Personenzug.
Aber gerade Züge mit nur zwei B3yg-Wagen waren wohl in der Zeit nach 1975 eher selten, lagen die Umbauwagen doch zu dieser Zeit ohnehin schon in den letzten Zügen. Vermehrt sollen sie noch im Anilinverkehr anzutreffen gewesen sein. Allerdings waren es hier eher 4-7 Pärchen je Zug.

Doch auch hier konnte mir der User Lokleitung weiterhelfen mit diesen wunderschönen Belegaufnahmen, die 1983 auf der Strecke Offenbach-Bieber – Dietzenbach entstanden sind:





Nachdem diese Strecke eine Weile stillgelegt war, verkehr hier heute die S-Bahn, um einen deutschlandweit bekannten sozialen Brennpunkt an Frankfurt anzubinden.
Einen Baubericht für die Wagen gibt es dann irgendwann nochmal gesondert.

2001 schied die letzte V100 aus dem regulären Dienst der DB aus. Seitdem ist sie noch als Lok vor den Tunnelrettungszügen in Mannheim und Fulda anzutreffen.



Hier noch vergleichsweise ursprünglich in Mannheim.





Vergleichsweise entstellt in Fulda.




Über ihre Einsatzzeit bei der DB hinaus fand die V100 guten Absatz bei Privat- und Museumsbahnen.

Auch heute sind immer wieder noch Loks dieser Baureihe im In- und Ausland anzutreffen:




Hier eine vergleichsweise behutsam modernisierte Maschine, aufgenommen in Naumburg 2015.
Das Umlaufgitter und der entfernte Heizkamin sind neu.





Hier im Einsatz zum Tag der offenen Tür bei der Westfrankenbahn zum Tag der offenen Tür 2017.





Oder hier 2015 im Einsatz anlässlich der Reaktivierung der Strecke Frankenberg – Korbach.




Im Güterverkehr kommt sie noch bei der AVG zum Einsatz, wo ich sie im letzten Jahr in Amstetten sehen konnte.




Auch eher ein Zufallstreffer war dieses Exemplar, das ich in Grünstadt von Offstein kommend antreffen konnte.




In Saarbrücken 2011



Auch zum Plandampf 2015 im VRN kam eine V100 zusätzlich zu den Dampfloks zum Einsatz:




Ab und zu ist sie auch noch im TV zu sehen. Prominente Hauptrollen übernahm die V100 unter anderem in diesen beiden Streifen:



Tod eines Schülers: [www.youtube.com]

Oder




Alleingang: [www.youtube.com]






Nun zum Modell:

Grundlage ist eine möglichst gute Zeichnung, damit man wenig selbst nachmessen muss. Für Westdeutsche Eisenbahnfahrzeuge ist hierfür Horst-Dieter Hettler der erste Ansprechpartner. Er hat ein umfangreiches Archiv an Zeichnungen, die man zu humanen Preisen erwerben kann: [www.spurnull.de]



Auf Basis dieser Zeichnungen plante ich meine einzelnen Bauteile in verschiedenen Materialien. Zur Anwendung kamen MDF-Pressholz, Polystyrol, Acrylglas, Karton, Giesharz sowie Alu- und Messingprofile.



Teile aus MDF





Teile aus Polystyrol






















Auf Basis meiner geplanten Teile habe ich eine neue Zeichnung zusammengesetzt, um zu sehen, ob alles passt.



Diese Zeichnungen habe ich mit Beschriftungen versehen, um die Dacal-Bögen in Auftrag zu geben:








Und so sah der Deal-Bogen dann aus, den ich bei Andreas Nothaft drucken ließ. Dies könnt ihr hier machen lassen: [www.modellbahndecals.de]
Macht reichlich Gebrauch davon, damit es diesen Service noch lange gibt!



Nachdem die Planung komplett abgeschlossen war, ging es ans Fräsen der Teile:











Einer der ersten Schritte war die Montage des Rahmens. Das ist einer der größten Unterschiede zum Straßenbahnbau. Bei der Straßenbahn verzichte ich in der Regel darauf, da hier ein selbsttragender Wagenkasten genügt. Hier musste er sein, denn irgendwo muss ja die Kupplung rein, ohne dass sie mir bei höheren Gewichten der Behängung die Lok zerfetzt.

Die für mich benutzerfreundlichste Lösung war es die Profile auf der Bodenplatte mit Klebstoff zu fixieren. Da waren sie einfach zu bohren, um sie dann verschrauben zu können.









Das Führerhaus, das einen relativ einfachen Eindruck macht, hatte es hingegen in sich, da es in alle möglichen Richtungen zuläuft oder verjüngt ist.





Die Vorbauten bestehen aus unterschiedlich starkem MDF. Die Abgerundeten Decken sind wie die Dächer meiner Straßenbahnen ganz klassisch aufgeschichtet und können in Form gefeilt werden.








Kurze Stellprobe




Die gefeilten Kanten werden gespachtelt, dabei ist darauf zu achten, dass an den Seiten eine Aussparung besteht, in die später einmal die gelaserten Seitenblenden eingesetzt werden, um die Klappen, Ritzen und Vertiefungen besser abbilden zu können.





Spritzspachteln der Führerhäuser und Vorbauten.







Einsetzen der gelaserten Seitenblenden.




Die verbleibenden Ritzen wurden erneut verspachtelt.










Die Kamine wurden auch aus MDF hergestellt.






Stellprobe












Die Aufbauten erhielten am Boden L-Schienen….






… um sie mit der Bodenplatte verschrauben zu können.















Stellprobe mit beiden Loks







Der nächste Schritt war das Einsetzen der Umlaufgriffstangen. Hierfür wurden erst Löcher in die Vorbauten gebohrt und Messingstifte eingesetzt.




Auf diesen konnten die Griffstangen im eingebauten Zustand angelötet werden.





Was an den Vorbauten ganz gut klappte, war beim Führerhaus ein kleine Herausforderung.








Montage der Abdeckgitter des Lüfterrades.






Im nächsten Schritt war etwas Zeit für die Drehgestelle. Für diese nutzte ich handelsübliche Motorblöcke, die neue Achsen und Räder erhielten.






Als Lüfterrad konnte ich nach längerer Suche einen passenden PC-Lüfter finden, den ich später auch über den Decoder ansteuern kann.






Diese stellte mir der Lokbauer „auf Maß“ her. Die Kontaktdaten findet ihr hier: [der-lokbauer.de]

Leider will er sich aus dem Spur II-Geschäft zurückziehen, was bedauerlich ist, denn die Qualität ist erstklassig.





Bauteile nach dem Grundieren.









Das Führerhausdach wurde aus 1 mm starkem Polystyrol hergestellt. Mit Heißluft gewölbt und mit Spanten fixiert.
Das Schöne an diesem Dach ist, dass es eine konstante Rundung hat und damit einfach zu rechnen ist.





Die Drehgestellblenden und einiges Kleinzeug sollten in durch Gießharz vervielfältigt werden. Dafür entstand dieses Urmodell.




Bau der Gussformen.




Abgießen der Teile.

Nach langjähriger Beschaffung bei Bacuplast, habe ich in diesem Jahr den Lieferanten gewechselt und beziehe meinen Kautschuk und mein Harz nun über Breddermann: [www.breddermann-kunstharze.de]
Dort wird man auch am Telefon freundlich und kompetent beraten.






Lackieren der Aufbaute. Hierzu wurden die Teile erst in grau bzw. beige lackiert und die Zierstreifen bzw. Freiflächen abgeklebt, um blau bzw. rot überzulackieren.








Dazu benötigte ich ein 4 mm Maskierband, welches ich im normalen Handel nicht finden konnte. Ich wurde im Internet fündig. Hier werden alle möglichen Breiten angeboten: [www.oracover.de]

Leider hinterließ es einige Klebespuren. Diese können aber einfach mit Waschbenzin entfernt werden.





Über Bertram Heyn konnte ich federnde Puffer für Lok und Wagen beziehen: [modell-werkstatt.de]

Da diese Puffer nicht brüniert sind, musste ich das selbst übernehmen. Dafür konnte ich in Schkeuditz die in Modellstraßenbahnerkreisen bekannte „RaiSchä-Brühe“ erwerben, die nach ihrem verstorbenen Erfinder Rainer Schäfer benannt ist.
Online gibt es das hier: [www.rs-modelle.de]

Das Zeug ist klasse. 10 Sekunden reinheben, fertig!






Die Puffer wurden auf Bohlen aus Alu geschraubt.





Die Luftschläuche gabs auch beim Lokbauer.






Schraubenkupplungen gibt’s bei Regner: [www.regner-dampftechnik.de]
Trotz Insolvenz wird inzwischen wieder produziert. Also kauft bitte recht reichlich, damit der Laden wieder „aufs Gleis“ kommt ;-)





Pufferbohle am Rahmen





Montage der Rangiertritte an der Bodenplatte.





Einstiegstritte fürs Führerhaus. Auf einer Seite sind diese in den Tank integriert.






Ab und zu schaute in der Werkstatt auch immer mal die Aufsicht vorbei.






So langsam wird’s fertig…






Vor der Fertigstellung kam noch ein Decoder rein. Hierfür nutzte ich den LokpilotXL bzw. LokSoundXL von ESU.










Etwas Kleinkram für den Führerstand


















Lampengläser und -ringe sind aus Plexiglas gelasert.





So sieht der oben erwähnte Decalbogen im gedruckten Zustand aus




Und so schauts auf der Lok aus.



Damit waren die Fahrzeuge fertig - nach zwei Jahren von Planungsbeginn bis Inbetriebnahme.




Größenvergleich Katze/Lok





Zum Abschluss einige Bilder der fertigen Loks:























Nachdem dieses erste Lokprojekt nun abgeschlossen ist, habe ich mich bei Herrn Hettler wieder mit neuen Zeichnungen für künftige Projekte eingedeckt:




Konkret fürs nächste Jahr vorgesehen sind erst einmal die Br 141(DB), 243(DR), 250(DR), diverse Düwag-Straßenbahnen, einen SNCV-Stadtbahnwagen aus Belgien, der Karlsruher Zweisystemstadtbahnwagen und ein Niederflurmultigelenker.

Über die aktuellen Baufortschritte werde ich immer auf meiner Fratzbuchseite berichten: [www.facebook.com]



Soviel für heute



Alla hopp!



PS: Erst bei der Vorschaufunktion merke ich, dass die Bilder leider etwas groß geraten sind. Ich bitte das zu entschuldigen, möchte die 100 Fotos jetzt aber nicht nochmal hochladen ;-)
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