Es folgt mein letzter Beitrag zu diesem Thema, denn Deine blumigen Vorstellungen haben mit dem wahren Leben wohl eher wenig zu tun.
Zitat
Wenn ich Straßenbahnfahrer werden möchte, dann möchte ich das doch, weil ich ein Menschenfreund bin...
Du vielleicht. Die Mehrheit der Leute, die da vorne im Führerstand sitzen, sind aber weder Straßenbahn- noch Omnibus- noch Eisenbahn- oder gar Menschenfreunde, sondern machen das einfach zum Geldverdienen. Viele hatten vorher einen anderen Beruf, den sie wegen vielfältiger Umstände nicht mehr ausüben können (ich sag mal Berufskrankheiten, Stellenabbau, Nichtübernahme nach Ausbildung oder Vertragsbefristung) oder der noch schlechter bezahlt wurde als bei der fahrenden Zunft.
Und wie das Führerbremsventil schon schrub, kann ein Außenstehender das, was geht und was nicht wohl kaum beurteilen. Ich fahre auch fast täglich als Fahrgast mit unseren Bussen und Bahnen mit und weiß auch, dass es völlig unterschiedliche Fahrweisen gibt, vielleicht genau so viele, wie es unterschiedliche Fahrerinnen und Fahrer gibt.
Zitat
Ich erwarte als Kunde vom Arbeitgeber auch, dass die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit kontrolliert werden.
Werden sie. Und die von Dir geforderten Konsequenzen im Falle eines Fehlverhaltens gibt es natürlich auch. Aber es wird niemand aus einer Firma irgendwelche Mitarbeiter vor den Fahrgästen an den Pranger stellen und diese wegen Sekunden verfrühter Abfahrt auspeitschen o.äh. Und in den meisten Fällen - mal abgesehen von Bahnhöfen mit größeren Pufferzeiten - sind verfrühte Abfahrten ja sowieso eher unmöglich.
Und das RBL darf nicht zur kontinuierlichen Überwachung des Fahrpersonals benutzt werden, und das wird es auch nicht (genausoweing wie beispielsweise die Tachographen in LKW oder Reisebussen). Wenn sich jemand konkret über eine verfrühte oder verbummelte Abfahrt beschwert, kann man nachsehen ob dem so war, und dann ggfs. diesen Fall weiterverfolgen. Alles weitere widerspräche der einschlägigen Gesetzgebung und den Betriebsvereinbarungen.
Zitat
Auch dann muss man als Fahrer einen kühlen Kopf bewahren können und die Motivation den Fahrplan einzuhalten nicht aus dem Auge verlieren. Ich kann ja nicht einfach sagen, jetzt ist 10 mal blockiert worden, ich hab 5min. Verspätung und jetzt ist mir alles egal.
Das ist es ja genau, der kühle Kopf. Im Nachtverkehr auf der OEG-Runde, mit seiner bisherigen 120-Minuten-Umlaufzeit konnte man sich sicher sein, dass man, sobald man fünf Minuten Verspätung eingesammelt hatte, diese fünf Minuten bei vorschriftsgemäßer Fahrweise an der gleichen Stelle zwei Stunden später trotz allergrößter Motivation immer noch haben wird. Also einfach kühlen Kopf bewahren und vorschriftsmäßig fahren, das Publikum (oder zumindest ein Teil des Publikums) hat es ja so gewollt. Das vermeidet Stress und unnötige Aufregung.
Mit freundlichen Grüßen
Ralph Dißinger a.k.a. Lokleitung