Zitat
Lokleitung
Irgendwo habe ich mal was von plus/minus 5 Minuten gelesen (Norrköping?).
Ja, das ist tatsächlich immernoch so. In den Fahrplänen werden nur feste Zeiten für Start- und Zielpunkt sowie die größten dazwischenliegenden Haltestellen angegeben. Für andere Haltestellen dazwischen steht einfach nur ein X statt einer Zeitangabe, was bedeutet: Ja, die Fahrt hält hier, aber ohne feste Zeitangabe. In den digitalen Fahrplänen bekommt man eine ungefähre Uhrzeit genannt, aber mit kursiven Zahlen, was dann mit jenen +/- 5 Minuten erklärt wird.
Für Stadtlinien ist das natürlich heftig, und normalerweise werden die 5 Minuten auch nicht ausgereizt, außer es ist Stau, dann gibt's schon mal mehr als +5. Es kommt auch vor, daß eine Straßenbahn eine Minute zu früh abfährt, aber eher selten. Die Toleranzen sind eher für ellenlange Überlandbuslinien gedacht, wo man sie auch benötigt, weil das Fahrgastaufkommen stark schwanken kann (Schule fängt mal früher(TM), mal später an), das Wetter die Reisegeschwindigkeit beeinflußt (hier ist monatelang Winter mit mal trockenen, mal eisbedeckten Straßen), man einen Trecker vorm Bus hat oder was auch immer. Abfahrtszeit abwarten auf offener Landstraße, wo die Haltestelle nur aus einem Schild auf dem Grünstreifen besteht, ist auch nicht empfehlenswert.
Wenn man dann nicht je nach Wetterlage und Ernte- bzw. Holzfällzeit einen neuen Fahrplan stricken will, dann geht das nur mit einer durchschnittlichen Fahrzeit, die eben auch mal unterschritten wird, was man den Fahrgästen ehrlicherweise mitteilt. Die stellen sich dann auch rechtzeitig vor der Ca.-Zeit an die Haltestelle und daddeln eben noch 5 Minuten auf ihrem Telefon oder reden sogar mit anderen Wartenden, weil sie wissen, daß der nächste Bus eben nicht in 10 Minuten kommt.
Die DFIs in der Stadt verkürzen zwar gefühlt das Warten für Fahrgäste, die bereits an der Haltestelle sind, helfen aber denen nicht, die noch gar nicht an der Haltestelle angekommen sind. Dafür gibt es jetzt Echtzeitinformationen im Netz und sogar eine Karte, auf der man alle Busse und Bahnen verfolgen kann. Damit können sogar Sekundenfuchser nach einiger Übung planen, wann genau sie das Haus verlassen müssen, um ja keine Wartezeit an der Haltestelle absitzen zu müssen.
Ganz ohne digitale Helferlein praktizierte meine Mutter das bereits in den 60er Jahren: Wenn sie das Quietschen der Straßenbahn in der Kurve an der nächsten Ecke hörte, war es höchste Zeit, zur Haltestelle zu springen. Vielleicht sollten wir wieder aufhören, die Kurven zu schmieren :-)
Viele Grüße,
Martin