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Unterwegs mit dem Heidelberger Straßenbahner – oder „im Pommesundwaffelland“ – Teil 2. (289 Klicks)

25. Oktober 2019 17:20
Heute also das eigentliche Ziel unserer Reise: Die Kusttram (nein, nicht verschrieben → niederländisch, oder zumindest so ähnlich). Wer die durchaus interesannte Schilderung unserer Anreise unhappy smiley verpasst hat, hier wäre der Link.




Unweit des Staatsbahnhofes liegt die Abfahrtsstelle der Straßenbahn (zumindest gemäß Betriebsform). Genau zu unserer Ankunft kommt – wie bestellt – ein Zug aus De Panne angefahren, links übrigens die Zufahrtsgleise zum Depot.

Die 52 Einrichtungswagen (ähnlich denen in Charleroi – dort allerdings Zweirichter) wurden zwischen 1980 und 1982 bei La Brugeoise et Nivelles (BN) gebaut. Bei einer Leistung von 457 KW erreichen sie bei 600 V Gleichspannung 78 km/h. Aufgrund der steigenden Fahrgastzahlen wurden zwischen 1994 und 1996 16 Triebwagen mit einem 3,00 m langen niederflurigen Mittelteil zu Achtachsern erweitert. Bei einer Länge von 30,0 m und einem Gewicht von 48 t bieten sie 73 Sitzplätze und 196 Stehplätze. Der Umbau der restlichen Triebwagen folgte 2002, jedoch mit einem Mittelteil von 4,80 m Länge.

Leider sind in den letzten 20 Jahren nicht alle Haltestellen an die Gegebenheiten der Fahrzeuge angepasst worden. Aber vielleicht will man ja auch in Knokke wie an den beiden anderen Stationen mit Staatsbahnverknüpfung die Strecke bis an den Bahnhof verlängern (Mutmaßung)?



Freundlich fragte ich den Triebwagenfahrer, ob ich den Fahrerarbeitsplatz fotografieren dürfe. Obwohl mein belgischer Kollege extreme Verständigungsschwierigkeiten mit mir hatte, gelang uns eine Kommunikation und so entstand mein nächstes Foto:



Kenner sehen (oder wissen bereits) → Pedalsteuerung – stelle ist mir recht kompliziert vor, würde ich aber gerne einmal ausprobieren.

Aber nun sozusagen: Ab auf die Strecke:
Idylisch zwischen Hochhausschluchen, lediglich ab und zu unterbrochen von einzelnen „Überlandabschnitten“ fährt die Bahn ca. 68 km mehr oder minder in der Nähe des Meer – in Belgien irrigerweise See genannt - ohne die Namensgebende Küste (Ausnahme behandeln wir später) zu sehen meist mittig in der Nationalstraße 34. Laut einschlägiger Presse gilt die Kusttram als längste Straßenbahnlinie der Welt.



Zwischen den durchweg „modernen“ 80er Jahre Hochhäusern Marke „Emmertsgrund“ (von mir auch auch „Vogelstang“) findet der geneigte Reisende doch noch vereinzelt ältere Bausubstanz → es gibt also noch Platz für Ferien-Appartement in Wohnsiloatmosphäre rolling eyes smiley.

Die Ausnahme bildet auf den ersten Blick De Haan aan Zee; Hier führen die Gleise an einem Wäldchen vorbei in eine doch dörfliche Bebauung. Zuerst natürlich ein „Edingenvergleichsbild", danach ein Haus, dass mir eigentlich sehr gut gefällt.





Im Verzeichniss der top Sehenswürdigkeiten der belgischen Küste steht unter der Nummer 14: Zitat: Unter den historischen Gebäuden der Belle Époque in De Haan ist der denkmalgeschützte Straßenbahnhof mit seinem hübschen anglo-normannischen Fachwerk, das so typisch für die Bauart dieser Zeit ist, wohl eines der Schönsten.



Tatsache ist auf jeden Fall: Er ist der letzte orginal erhaltene. Und das will schon was heißen, denn einst erschlossen 5200 km Strecken in Meterspur meist eingleisig in Seitenlage an bestehenden Straßen die Regionen Belgiens. Betrieben wurden sie von der Nationale Maatschappij van Buurtspoorwegen NMVB (niederländisch) bzw. Société nationale des chemins de fer vicinaux SNCV (französisch). Geblieben sind von dem einst großen Netz ab 1978 lediglich die Linie an der Nordseeküste sowie ein Netz um Charleroi.

Besonders schon ist des Schild mit dem Warnhinweis, der das Überschreiten verbietet – ebenfalls zweisprachig (also je Seite eine Sprache):





Wobei: Wenn man das niederländische wörtlich übersetzt, ist es wohl „verboten mit der Eisenbahn zu fahren“ oder französich: „Verteidigung auf dem Weg zirkulieren“.

Aber auch hier trügt der erste Schein. Von einem Bekannten, der in diesem Jahr in De Haan seinen Urlaub verbrachte, erfuhr ich, dass die Bebauung der Küste genau so „Marke Emmertsgrund“ sei, wie an den anderen belgischen Küstenorten – aber; wer's mag.

Die Station Oostende, etwa in der Mitte der Strecke gelegen, ist sozusagen „der Betriebsmittelpunk“ und verfügt, wie auch die beiden Endpunkte über ein Depot. Zwischen 2011 und 2019 wurde das komplette Areal mit Gesamtkosten von 150 Millionen Euro in mehreren Abschnitten umgestaltet. Seidem sind die einzelnen Verkehre besser miteinander verknüpft. Die Kusttram verfügt gleich neben dem Staatsbahnhof über eine viergleisigen Haltestellenanlage, wobei Richtung Knokke lediglich eines durchgängig ist, das andere ist ein Stumpfgleis, in das bei Bedarf die Bahnen rückwärts rangiert werden – warum konnte ich nicht in Erfahrung bringen.
Eine zweigleisige Wendeschleife ergänzt die Anlage.



Die Linie wird offiziell unter dem Symbol 0 geführt, dies wird an im Zielfilm jedoch nicht angezeigt. Offenbar aus Platzgründen, es passt ja auch nicht das „sorry“ (Bild oben linke Bahn) rein.

In der Streckenmitte endet – vorerst – meine Reiseschilderung, nicht ohne ein Bild der Baureihe 18/19 der MMBS/SNCB.



2006 erwarb die Staatsbahn 60 Loks des Typs Siemens ES 2007 „Eurosprinter“, 2008 weitere 60 Maschinen.
Die 6000 kW starken, 200 km schnellen Dreisystemfahrzeuge sind für den Einsatz unter 1,5 und 3 kv Gleich- sowie 25 kvWechselspannung einsetzbar.

Unbedingt vorenthalten möchte ich Euch jedoch das Bild, auf dem wir orginal (so die Werbung am Stand) belgische Waffeln verzehren – gut, aber einfach zu teuer.




Salü Erhard



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.10.19 17:24.
Thema Autor Datum/Zeit

» Unterwegs mit dem Heidelberger Straßenbahner – oder „im Pommesundwaffelland“ – Teil 2. (289 Klicks)

Heidelberger Straßenbahner 25. Oktober 2019 17:20

Kein Pommesbild? (105 Klicks)

Sandhase 26. Oktober 2019 16:58

Re: Unterwegs mit dem Heidelberger Straßenbahner – oder „im Pommesundwaffelland“ – Teil 2. (139 Klicks)

Lokleitung 26. Oktober 2019 18:31

Re: Unterwegs mit der Lokleitung (120 Klicks)

Fabegdose a.k.a. Dr. Düwag 27. Oktober 2019 12:45

Re: Unterwegs mit der Lokleitung (110 Klicks)

Lokleitung 27. Oktober 2019 13:38

Re: Unterwegs mit dem Heidelberger Straßenbahner – oder „im Pommesundwaffelland“ – Teil 2. (110 Klicks)

Heidelberger Straßenbahner 27. Oktober 2019 12:38

Ich muss da hin... (76 Klicks)

Sandhase 28. Oktober 2019 18:54



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