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Streckenwanderung im „schwarzen Loch“ (Teil 9) (528 Klicks)

03. Februar 2020 20:42
Vorwort:
Bei den – eigentlich immer schönen und informativen – Reiseberichten liest man ab und an in den Kommentaren, warum eigentlich nie (oder meinetwegen auch selten) Berichte „aus der Region“ eingestellt werden.

Nun will ich diesem Manko abhelfen und das Heidelberger Streckennetz ein wenig zeigen.
Erwartet aber bitte keine perfekten Aufnahmen (dies sei anderen vorbehalten), sondern meine Schnappschüsse zeigen Betriebssituationen, in denen eben Masten, Schilder und Passanten/Fahrgäste und sogar Fahrzeuge vor den Bahnen zu sehen sind!

Bericht:
Heute meine Fortsetzung der Streckenwanderung durchs „schwarze Loch“:

Da meine letzte Streckenwanderung nun doch ein wenig – ich glaube der letzte erschien im Herbst 2017 – her ist, beginne ich mit dem damals letzten geschriebenen Bild/Absatz:



Die Gemarkungsgrenze Heidelberg/Leimen befindet sich ziemlich genau am Ende der Eingleisigkeit.
Der Erdbeerverkaufsstand auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich noch auf Heidelberger Gebiet, das anschließende Weingut Seeger liegt bereits in Leimen.



Jetzt geht’s aber wirklich los:
In Leimen liegt die Strecke entlang der Rohrbacher Straße auf einem besonderen Bahnkörper. In der ca. 1,2 km langen Eingleisigkeit bedient die Linie 23 drei Haltestellen. Eine rnv8 der 2. Bauserie (die Nummer hatte ich mir damals zwar nicht notiert – im November 2018 waren die der ersten Serie noch blau/weiß) hat gerade die mittlere der drei Haltestellen – Johannes-Reidel-Straße – Richtung Leimen verlassen. Für Ortsunkundige: Die Haltestelle befindet sich auf der Höhe, auf der gerade der PKW das Gleis quert.



In Höhe der Einmündung der Bürgermeister-Lingg-Straße endet der besondere Bahnkörper, ab hier wird das Gleis bis zur Endstelle Friedhof straßenbündig geführt. Diese Kreuzung ist eigentlich der Unfall trächtigste Punkt in der Nachbarstadt Heidelbergs. Meist (aber natürlich nicht immer) biegen die parallel zur Straßenbahn aus Norden kommenden PKW verbotswidrig nach links in die Bürgermeister-Lingg-Straße ab – oder versuchen es zumindest. Der auf dem Bild zu sehende Tw 3281 hatte im September 2017 die Gefahrenstelle gerade ohne Schaden passiert.



Gut 100 m vor der zweigleisigen Haltestelle Kurpfalz-Centrum befindet sich die Haltestelle Georgi-Marktplatz. Die letztgebaute achtachsige Variobahn 3288 hat den Fahrgastwechsel beendet und wartet auf das F1 um die Rathausstraße zu überqueren und danach in die Ausweiche am Kurpfalz-Centrum einzufahren → mit 3 Minuten Verspätung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der Fahrerin des Gegenzuges bereits sehnlichst erwartet.



Eigentlich sollte die Leimener Linie ausschließlich mit rnv8-Bahnen bestückt werden – bei Wagenmangel kommt jedoch auch ein MGT6D zum Einsatz – in der Hauptverkehrszeit nicht gerade zur Freude der Fahrgäste, die 1996 beschafften Bahnen sind immerhin 10 m kürzer. Auch das Fahrpersonal (auch die, die diesen Fahrzeugtyp gerne fahren) sind alles andere als begeistert. Durch die vollen Bahnen dauert der Fahrgastwechsel entsprechend länger – und 5 Minuten Fahrzeit für 1,2 km/3 Haltestellen mit einer vorgebenden Geschwindigkeit von 30 km/h sind nicht gerade üppig – und wer es mal als Fahrgast ganz kuschelig mag → ganz ganz selten „verirrt“ sich ein M8C nach Leimen – einfach mal mitfahren tired smiley.



In Höhe des Fahrgastunterstandes (oder für die Älteren: Wartehäuschen) der Buslinie 751 endete vor einigen Jahren die Sanierung der Strecke. In knapp einem Jahr kann das nächste Bild so nicht mehr aufgenommen werden. Zwar endet die Eingleisigkeit nach der Sanierung immer noch an etwa der gleichen Stelle, das Richtungsgleis Heidelberg liegt dann aber ein paar Meter weiter rechts und zwischen den Gleisen befindet sich ein barrierefreier Mittelbahnsteig.





Warten auf den Gegenzug – so könnte dieses Bild betitelt sein. Anstelle des Gebäudes, an dem der MAN Lion's City der DB Rhein-Neckar-Bus gerade vorbeifährt befand sich das Depot der am 23. Juli 1901 von der Deutschen Eisenbahngesellschaft eröffneten Straßenbahn von Heidelberg nach Wiesloch. Während die HSB-Wagen in Heidelberg noch vier Jahre von Pferden gezogen wurden, war diese von Beginn an elektrifiziert.
Bereits 1905 wurde die Bahn an die Stadt Heidelberg verkauft, die sie an die HSB verpachtete. Erst 1923 erwarb die HSB die Vorortbahn von der Stadt Heidelberg und beglich den Kaufpreis mit Aktien.



Der Straßenbereich wird sich hier verändern – wie genau ist mir nicht bekannt. Auf jeden Fall wird die Zweigleisigkeit bis kurz vor die Haltestelle Moltkestraße verlängert, das dass nach Beendigung der Bauarbeiten hier zwei Gleise liegen werden.

Vor der Haltestelle Moltkestraße enden in Zukunft das zweite Gleis, die Haltestelle selbst bleibt eingleisig, der barrierefreie Bahnsteig wird sich an der Stelle befinden, an dem die Fahrgäste gerade aussteigen und zum Teil wohl bis zum Friedhof laufen, denn hier ist vorübergehend Endstelle. Aufgrund eines erneuten Bruchs der Leitschiene kann der Gleisbogen in Höhe des Altersheims seit August 2019 nicht mehr ohne der Gefahr einer Entgleisung befahren werden – aus Sicherheitsgründen war die Geschwindigkeit im Bogen zuletzt auf lediglich 5 km/h reduziert.



Geplant war ursprünglich, die Strecke bis Friedhof bis zum Beginn des Umbaues zu bedienen. Die Mitarbeiter des Gleisbaus versuchten immer wieder die Schadstelle für die Straßenbahn befahrbar zu halten. Zum Schluss war einfach zu wenig Material für weitere Schweißungen vorhanden – die Bedienung musste schweren Herzens eingestellt werden. Wie auf der G2a-Tafel in der Fahrleitung zu sehen, konnte der Bogen 2018 noch mit 15 km/h befahren werden.



Am 22.02.2015 war Fotosonderfahrt angesagt – mit den beiden verbliebenen Duewag Gt8a wurde – „wie in alten Zeiten“ – auch bis nach Leimen gefahren. Auch, wenn ich immer versuche, bei solchen Veranstaltungen „nicht im Rudel“ zu fotografieren (dabei sehe ich immer zu,dass ich eigentlich, der Fotofraktion nicht im Bild stehe – klappt leider nicht immer unhappy smiley), so dürften die beiden folgenden Bilder bestimmt wohl x mal aufgenommen worden sein. Aber – wenn wieder einmal diese Fahrzeuge auf der Linie fahren, für die sie 1975 beschafft wurden, muss der geneigte Straßenbahnfreund dies nutzen.

Einen interessanten Aspekt finde ich auf jeden Fall, dass diese vier letzten Zweirichtungswagen der Duewag-Einheitsbauart bestellt wurden, obwohl es die Vorgängerbauart der später dann doch gekauften M8CD bereits auf dem Markt waren – den Grund dafür werden wir wohl nie erfahren.



Nachdem der – heute wieder im blau/weißen Farbkleid der 70er Jahre erstrahlende – Tw 204 wenige Meter vor der Endstelle Leimen aufgenommen wurde, seht der Tw 202 am heutigen Gleisende, wie man unschwer am Sh2 ersehen kann. Auch diese Haltestelle wird im Zuge des Umbaues barrierefreie ausgebaut.

Der Wiederaufbau nach Wiesloch wurde nicht in das sogenannte Mobilitätsnetz aufgenommen, des errechnete Kosten/Nutzen-Verhältnis war nicht ausreichend.

Na ja, hinter der eigentlichen Haltestelle entstehen noch 60 m Abstellgleis → wahrscheinlich werden dies Einige als „Vorleistung“ deuten confused smiley.

Stilllegen wollte zumindest die HSB die Strecke keinesfalls – hatte man doch noch kurz vorher bis zur Ausweiche am Fischweiher die Fahrleitung für ein zweites Gleis erstellt.



Aufgrund des immer stärker werdenden IV-Verkehres und der schlechteren Finanzlage der HSB stellte man am 16. Juni 1973 die Strecke zwischen Leimen und Wiesloch auf Busbetrieb um (so nannte man sies wohl damals). Seitdem bedient(e) die HSB Linie 30 die Strecke.
Auch, wenn der auf dem Bild zu sehende MB Citaro I 8160 nie auf diese Stecke gefahren ist, wurde die Linie tagsüber mit Gelenkbussen bedient – war sie wirklich so unwirtschaftlich? Oder hatte die Politik hier – mal wieder – gewusst, „was gut für das Volk“ ist?



Heute bedient die Linie 723 die Busse der DB Rhein-Neckar-Bus mit Solofahrzeugen – inzwischen wurden die bestehenden Eisenbahnstrecken im Rhein-Neckar-Gebiet mit einer S-Bahn im 30 Minuten-Takt gestärkt.



Salü Erhard



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.02.20 19:32.
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Heidelberger Straßenbahner 03. Februar 2020 20:42

Re: Streckenwanderung im „schwarzen Loch“ (Teil 9) (281 Klicks)

Mh21 03. Februar 2020 21:25

Re: Bilder von der Strecke nach Nussloch/Wiesloch (266 Klicks)

Linie 8 muss wieder her 04. Februar 2020 10:33

Re: Weitere Bilder von der Strecke nach Nussloch/Wiesloch (273 Klicks)

triebzug 420 04. Februar 2020 15:54

Superstarke Bilder von der Strecke nach Nussloch/Wiesloch. Danke! (238 Klicks)

Linie 8 muss wieder her 04. Februar 2020 16:49

Re: noch 3 Bilder von der Strecke nach Nussloch/Wiesloch. (243 Klicks)

triebzug 420 05. Februar 2020 21:25

Re: noch 3 Bilder von der Strecke nach Nussloch/Wiesloch. (207 Klicks)

Fabegdose a.k.a. Dr. Düwag 05. Februar 2020 22:12

Re: noch 3 Bilder von der Strecke nach Nussloch/Wiesloch. (252 Klicks)

triebzug 420 06. Februar 2020 16:18

Re: Streckenwanderung im „schwarzen Loch“ (Teil 9) (243 Klicks)

Heidelberger Straßenbahner 04. Februar 2020 19:34



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