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Unterwegs mit dem Heidelberger Straßenbahner – oder: Nicht jeder ist vom Dampf begeistert. (266 Klicks)

27. Februar 2020 13:41
Eines schönes Tages unternahm der Schreiber dieser ….............

Eigentlich beginnt jede Geschichte so oder zumindest so ähnlich. Diese begann eigentlich schon etliche Zeit früher(TM):
Dem geneigten Leser, Entschuldigung natürlich Seher ist eine Schmalspurlok wohl bestens bekannt: Die im Vorspann der Serie Eisenbahnromantik gezeigten 099 633. Nachdem – als bekennender Fan der schmalen Spur – in irgendeiner Folge beiläufig erwähnt wurde, auf welcher Bahn diese Lok fährt, stand ein Ziel eines Tagesausfluges fest – wenn es bis dahin auch noch einige Zeit dauern sollte.




Aber jetzt:
Eines schönes Tages, genauer gesagt im September 2016 unternahm der Schreiber dieser Zeilen mit zwei Begleitern einen Tagesausflug in tiefste Schwaben. Eine in Betracht gezogene Anreise mit der DB wurde bei nur 2 täglichen Zugfahrten der Öchsle-Schmalspurbahn relativ schnell wieder verworfen → also mit dem PKW.
Kurz nach unserer Ankunft auf dem kostenlosen Parkplatz thumbs up kam die Zuglok auch schon an vom Lokschuppen her gedampft und setzte sich vor die bereitstehenden Personenwagen.



Leider nicht die von mir erwartete 99 633, sondern die, zuletzt auf der Lößnitzgrundbahn eingesetzte 99 788 „Berta“ - aber auch recht. Sie wurde am 20. Juli 2001 für rund ½ Million von der DB für das Öchsle gekauft.

Kurz etwas Geschichte:
Am 29. November 1899 wurde zunächst die heutige Museumsstrecke Warthausen–Ochsenhausen in 750 mm Schmalspur eröffnet, wegen Verzögerungen beim Bau erfolgten die restlichen 3,4 km nach Biberach am 1. März 1900. Betrieben wurde die rund 22 km lange Strecke von der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen bis 1919, danach übernahm die Deutsche Reichsbahn die mit den gleichen Höhen und Tiefen wie ähnliche Verbindungen kämpfende Bahn. Von 1945 bis 1983 hatte die Deutsche Bundesbahn die Betriebsführung inne.

Der Güterverkehr nahm – vor allem durch ein Kühltechnik-Werk in Ochsenhausen – in dieser Zeit einen Aufschwung, es wurden sogar ab 1970 zwei neue Dieselloks der Baureihe V51 eingesetzt. In den 1980er Jahren verschlechterte sich der Zustand der Bahnanlagen jedoch (welch Wunder) zusehends. Einer zunächst erwogenen Umspurung auf Normalspur folgte 1981 ein Stilllegungsverfahren, so dass am 31. März 1983 der Gesamtverkehr eingestellt wurde.



Eigentlich das Ende der Geschichte, wenn nicht durch den Verein Öchsle Schmalspurbahn der Abbau der Strecke verhindert worden wäre. Lediglich die Gütergleise auf den Bahnhöfen wurden entfernt und die freien Grundstücke verkauft. Auch der Abschnitt Warthausen – Biberach wurde abgebaut → wohl wegen der Gleiskreuzung mit der DB bei Streckenkilometer 2,2.

Vor der Abfahrt am heutigen Endpunkt Warthausen blieb noch etwas Zeit mich umzusehen. Neben einem Schmalspurgüterwagen standen zwei aufgeschemelte Normalspurgüterwagen:



Detail eines Rollbockes unter einem der Güterwagen:



Ich finde es eigentlich interessant, dass auf den Schmalspurbahnen, die mehr westlich liegen (lagen) mehrheitlich Rollböcke verwendet wurden, während östlich vornehmlich auf Rollwagen gesetzt wurde.
Auf eine detaillierte Beschreibung der verschiedenen Systeme – gebremst/ungebremst/mit Bremswagen/etc. - verzichte ich aus Platzgründen (und/oder weil ich wenig bis keine Ahnung davon habe) und verweise auf die Fachpresse eye rolling smiley.

Auch ist mir nicht bekannt, ob sich an dieser Stelle je eine Rollbockanlage befunden hat:



Auf jeden Fall gefiel mir die Aufschrift auf den Plattformen – und da die meisten der Reisenden das Wageninnere vorzogen, hatte ich jede Menge Platz – verhältnismäßig gesehen.





In Ochsenhausen angekommen folgte unter Beobachtung vieler Schaulustiger und Fotografen (klar – meine Wenigkeit natürlich auch) das umsetzen der Lok. Im Nachhinein ärgerte ich mich, das ich mit meinem Schnappschuss nicht etwas gewartet hatte, bis die Lok komplett vor dem schönen Fachwerkschuppen war – aber vielleicht war diese Fotostelle bereits schon hinreichend besetzt. Bei (fahr)planmäßigen Fahrten scheint „Fotolinie“ ein Fremdwort zu sein tired smiley.



Beim warten auf die Rückfahrt fiel mir dann am im Zug mitgeführten geschlossenen Güterwagen (Bauart: GGsm)mit der Nummer Stg16819 ein Bremserhäuschen auf. In der Regel sind diese ja hoch gesetzt, damit der Bremser den Zug überblicken kann, warum dieses bei dem in Bautzen gebauten Wagen nicht über die Dachkante reicht, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Für mich sieht es eher nach einer Kabine für den Zugführer bei geschobenen Zügen (wie z. B. Bei Zahnradbahnen) aus – kann aber hier doch wohl nicht der Fall sein?





Von 1985 bis 1991 betrieb der Verein Öchsle Schmalspurbahn GmbH mit ehrenamtlichem Werkstatt- und Zugpersonal die Strecke. Nachdem die Eisenbahnaufsicht wegen Mängeln an der Strecke einen Weiterbetrieb untersagte, stellte der Verein den Betrieb ein.



Am 01. Mai 2002 wurde der Fahrbetrieb von der Öchsle Bahn Betriebs-GmbH aufgenommen. An Sonn- und Feiertagen verkehren zwei Zugpaare. Jährlich nutzen ca. 40.000 Fahrgäste die Züge, lt. Wikipedia ist der Betrieb defizitär, ein Zuschuss von rund 200.000 Euro ist jährlich notwendig.
Schön, dass die Bahn trotzdem weiterfährt und an dieser Stelle vielen Dank den Unterstützern und den Vereinsmitgliedern für Ihr tolles Engagement thumbs upthumbs upthumbs up.

Wir erlebten einen schönen Tag und eine herrliche Fahrt.





Nach der Ankunft in Warthausen wurde die Lok im neuen Lokschuppens versorgt, der Bau im Jahr 2006 wurde mit Hilfe einer Stiftung der Kreissparkasse Biberach finanziert.

Zum Schluss meines Berichtes nun die Auflösung des Berichtstitels: „Nicht jeder ist vom Dampf begeistert“. Nun wir besuchten die Bahn zu dritt – und eben der Dritte im Bunde konnte dem Ausflug nur wenig Begeisterung abgewinnen und verschlief die Hin- und Rückfahrt.





Positiv war auf jeden Fall mal, dass er freiwillig eingestiegen ist, denn sonst wären wir wohl auch nicht mitgefahren – „reinheben“ fällt auf jeden Fall mal aus.




Salü Erhard
Thema Autor Datum/Zeit

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