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Im Krebsbachtal (267 Klicks)

29. Juli 2020 19:44
„Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah“, ein typischer Spruch meines Opa's, wenn es mal wieder ein gelungener Tag war.

Was war mir dieser Ausspruch doch zuwider – damals, als kleiner Junge. Umso mehr, wenn meine Kumpels von Urlauben in fernen Ländern schwärmten und wir – wie so oft irgendwo im tiefsten Schwarzwald urlaubten (wenn überhaupt!). Aber so war es eben, da war Bayern schon die ganz große Welt für uns – zumal da dort so etwas wie eine Sprache gemurmelt wurde, die zumindest wir eh' nie verstanden.



Wie jetzt den Bogen finden zum Schienenbus im Krebsbachtal, zumal für die meisten Zeitgenossen „Gut“ und „Schienenbus“ keinesfalls zusammenpassen.

Aber meine Geschwister und ich wuchsen irgendwie mit den Kisten auf und ein Sonntagsausflug mit der Bahn war für uns das Größte. Im Nahverkehr waren die 798er allgegenwärtig und einfach nicht wegzudenken, und ich fuhr/fahre sehr gerne mit ihnen. Selbst auf der Neckartalstrecke waren sie eingesetzt – selbst lange nachdem diese elektrifiziert war.



Nachdem mein erstes Bild den Roten Flitzer auf dem Bahnübergang L 530 zwischen Hüffenhardt und Siegelsbach gezeigt hat (mit den ersten Fotografen, die sich bereits für den 30 Minuten später fahrenden Dampfzug positionieren), ist er auf der folgenden Aufnahme kurz vor den ersten Häusern von Siegelsbach zu sehen. Irgendwie hatte ich eine gute Stelle erwischt – vor allem, ich war ganz alleine (was aber nicht so bleiben sollte – das war mir da jedoch noch nicht so bewusst).

Eigentlich müsste ich diese Bier irgendwann mal probieren.




Als nächstes wollte ich mir einen Standplatz zwischen den nächsten 2 Orten suchen. Die Straße zum ehemaligen Bundeswehrdepot war gesperrt – irgendwie günstig. Am Bahnübergang Mühringweg angekommen stellt ich ernüchtert fest, dass sich doch relativ Wenige an Sperrschilder halten (→ verstehe ich eigentlich nicht).

Aber irgendwie vertrug man sich – auch nicht selbstverständlich – und jeder bekam das Foto, dass er erhoffte. Auch ich war mit meinem sehr zufrieden.

Ah – hier möchte ich kurz anmerken: Wer (perfekte) Fotos der Züge betrachten möchte, ist bei mir meist verkehrt → ich möchte auch "Gegend" mit auf dem Bild haben („is' halt so“).



Weiter ging's mit einer Fehleinschätzung: Die kürzeste Entfernung ist die schnellte – ja, denkste! An der Stelle, an der die Strecke den Bauernwald wieder verlässt und die K 2043 quert hatten sich grob geschätzt hunderte Fotografen eingefunden – mit dem entsprechenden Rückstau. Schlagartig taten mir die Autofahrer leid, die mit einem Dampfzug „nichts am Hut“ haben – zu den übrigen Spinnern muss ich mich ja auch zählen.

Meine Chancen auf ein weiteres Bild vor Neckarbischhofsheim tendierten gegen 0. Da jedoch offenbar Viele die Ortsdurchfahrt von Obergimpern auf den Chip bannen wollten, hatte ich danach (relativ) freie Fahrt und das oben gezeigte Bild entstand in der Nähe des Hochwasserrückhaltebeckens Helmhof.

Bei der Vorbeifahrt rief von der Plattform des mittleren Wagens irgendjemand meinen Namen und viele winkten mir zu. In der Annahme, dies war kein „abwinken“ erwiderte ich gerne den Gruß, ohne zu wissen, wer es war → in diesen Zeiten unterscheiden sich die Meisten lediglich durch die Farbe der Fetzen vor dem Maul – is leider so.

Trotzdem wüsste ich doch zu gerne, wem ich gewunken habe – also Unerkannter, einfach kurz melden.



Meinen Plan, den Zug in/um Neckarbischhofsheim zu fotografieren gab ich schnell auf – vor der Ortschaft standen offenbar die, die am Bü K 2043 keinen Platz mehr gefunden hatten. Bevor ich leicht genervt nach Hause fahren wollte, sollte es nochmals der Schienenbus sein – an einer Stelle, an der bestimmt keiner stehen würde (war dann auch so).

Ironie des Schicksals: Als der Zug kam, streikte meine Kamera → das Ergebnis seht Ihr oben.



Nach einer (bzw. zwei) Tassen Kaffee mit leckerem Kuchen (zuhause) war meine Laune auf dem Weg der Besserung (eigentlich muss man sagen ich bin nie schlecht gelaunt – oder ggf. höchst selten). Zudem meinte meine Frau, ich soll es "nochmals versuchen" – oder sie wollte mich aus dem Haus haben.
Also nochmals an meine „geheime“ Stelle vom morgens, auf seiner letzten Fahrt sollte die BR 75 bis nach Bernau fahren (manche nennen es auch Neckarbischhofsheim-Nord – warum auch immer) .



Leider war die Stelle wohl doch nicht so geheim, wie ich dachte, aber sei's drum: Wenn sich keiner für solche Veranstaltungen interessiert, gäbe es sie wohl eher nicht. Irgendwo habe ich gelesen, „die Züge waren gut gefüllt“ - wenn ich so im Nachhinein darüber nachdenke, die Untertreibung des Tages. Aber - dem Verein seien gute Einnahmen gegönnt.



Lt. Fahrplan sollte der Schienenbus gleich nach der Ankunft des Dampfzuges in Bernau (aufmerksame Leser wissen jetzt wo das liegt) abfahren – komme ich also doch noch zu meinem gewünschten Tages-Schlussbild.

Also wartete ich geduldig bei den letzten Häusern von Neckarbischhofsheim um einen „Nachschuss“ aufzunehmen. Nach gut 20 Minuten immer noch nichts – der Zug sollte lt. Fahrplan bereits in Hüffenhardt sein. Da sich in der Ferne etwas Blaues abzeichnete, drücke ich kurzentschlossen auf den Auslöser → sieht doch so die Realität im ÖPNV der Gegend aus.



Das es auch noch andere schöne Ecken im „Gänserieweland“ in der Brunnenregion gibt möchte ich mit dem Bild der Burg Neidenstein zeigen. Allerdings ist sie nicht öffentlich zugänglich → Privatbesitz. Wer dennoch einen Blick in den Burghof werfen möchte – und ggf. den Burgturm besteigen will – dem sei das (jährliche) Altortfest des Dorfes ans Herze gelegt. An diesen 2 Tagen im Sommer öffnet der Graf seine Burg.

Aber keine Eile → in diesem Jahr fällt es – wie so vieles anderes – umständehalber aus.



Als ich in Höhe Bernau führ, hörte ich die Pfeife der Dampflok, aha, deshalb kam der Schienenbus nicht, die DB lies die 75 nicht auf die Schwarzbachtalbahn. Da ich mich sozusagen „vor dem Zug“ befand, beschloss ich kurzerhand einen Schnappschuss von den Höhen des Mühlwaldes (braucht Ihr Euch nicht zu merken) zu versuchen. Aber irgendwie war heute „nicht mein Tag“ - genau vor mir schlossen die Schranken des Bü in Eschelbronn und ehe ich richtig reagieren konnte, kam die 075 - leicht verspätet - herangebraust.

Meine letzte Aufnahme des PmG ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Schnappschuss – mir gefällt er aber trotzdem.


Kurze Anmerkung: Den eingangs erwähnten Spruch meines Opa's vermisse ich heute unglaublich, auch wenn er mir als kleiner Bub tierisch auf die Nerven ging.




Bis die Tage Salü Erhard



P.S.: Ich hoffe, es war nicht zu viel Text.
Thema Autor Datum/Zeit

» Im Krebsbachtal (267 Klicks)

Heidelberger Straßenbahner 29. Juli 2020 19:44

Re: Im Krebsbachtal (127 Klicks)

H.F.,eh. F. 30. Juli 2020 08:58

Re: Im Krebsbachtal (107 Klicks)

Heidelberger Straßenbahner 30. Juli 2020 15:49



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