Ups – jetzt hätte ich ja (fast) vergessen den letzten Bericht meiner Schweizrundreise ins Forum zu stellen. Einige von Euch interessiert es (eventuell), wie wir den letzten Tag verbracht haben.
Also: Los geht’s:
Bei der Planung unsere Rundreise hatten wir die Qual der Wahl zwischen vier oder sechs Tage
SwissTravelPass → fünf, gibt es leider nicht. Aber: Für die Heimfahrt hätten wir ja spätestens ab der Grenze eh' extra bezahlen müssen.
Vor vielen Jahren verbrachte ich ein paar Stunden in
Bern und war begeistert. Gut damals hatte ich mich mehr für die Bahnstrecke
Bern–Worb Dorf (
„Ds blaue Bähnli“) als für die Stadt interessiert. Was lag also näher, als am letzten Gültigkeitstag nach
Bern zu fahren und dort zu übernachten.
Wie bereits geschildert waren wir in einem hervorragenden Hotel im Stadtteil
Breitenrain untergekommen, der Besitzer hatte uns für das Abendessen ein tolles
Lokal (das Gasthaus hieß wirklich so) empfohlen und uns für den nächsten Tag in eine Stadtplan eine Skizze für die Erkundung eingezeichnet.
Für die, die den letzten Teil verpasst/nicht aufgepasst haben, zeige ich diese gerne noch mal:
Da auch unser Frühstück keine Wünsche offen ließ, verzichtete ich (schweren Herzens) auf einen
Cappuccino am
Cafè-Mobil, an dem wir wenige Meter nach unserem Startpunkt losgelaufen waren („Du bist doch gerade erst vom Frühstück aufgestanden“

).
Unser Weg führte uns durch das Kasernenquartier über den
Rosengarten (von dem man einen phantastischen Blick auf die Altstadt hat → Bild war im letzten Bereich zu sehen) zum
alten Tramdepot.
Der nächste Schnappschuss entstand auf der
Nydeggbrücke und hat – hier in diesem Forum natürlich wichtig – den ersten
ÖPNV-Bezug: Über die
Kirchenfeldbrücke (weit im Hintergrund) fährt eine
Strab. Tja – habe ich auch erst geglaubt

– tatsächlich handelt es sich jedoch eher um einen Gelenkbus (na ja, ist ja auch
ÖV).
Von der
Nydeggbrücke gelang man in die
Getreidegasse. Durch diese verläuft eine der drei
O-Buslinien. Da morgens vor 10:00 Uhr Touristen (wir ausgenommen) wohl zu einen Stadtbummel (noch) keine Zeit haben, konnte ich einen der 14
Hess Swisstrolley (ohne, das er verdeckt wird) beim ersten Versuch im Bild festhalten (weiße Lieferwagen gibt es bei den
Eidgenossen wohl nicht – zumindest habe ich keinen gesehen).
Na, und wenn wir schon beim berühmtesten Tor der Stadt sind, dann bleiben wir doch gleich dabei: Der
Zytglogge, ein um 1220 erbauter Wehrturm wurde mehrmals aufgestockt. Nachdem die Stadt Richtung Westen erweitert wurde, verlor der nun im Stadtzentrum stehende Uhrturm seine Funktion als Wehrturm. 1770/71 erhielt der Turm seine heutige Gestalt und wurde in die Umgebung integriert.
So weit Euer heutiges Geschichtswissen 
– nun aber endlich zum Schienenverkehr, genauer gesagt zum
blaue Bähnli, das heute als
Linie 6 in den Stadtverkehr integriert ist. Am 21. Oktober 1898 wurde von der
Bern-Muri-Gümligen-Worb-Bahn (BMGWB) die 9,7 Kilometer lange, meterspurige Strecke eröffnet.
Nach einigen Fusionen (macht man in der
Schweiz von Zeit zu Zeit wohl gerne) gehört (der Eisenbahnteil) heute zum
Regionalverkehr Bern–Solothurn (RBS), der als
EIU fungiert, die Konzession und als
EVU betreibt heute
Bernmobil (handelsrechtlich
Städtische Verkehrsbetriebe Bern SVB) die Strecke.
Eigentlich sollten die neun 1987 gebauten der
RBS gehörenden
Be4/10 schon eine Weile durch
Stadler Tramlink (7 Einrichtungs- und 20 Zweirichtungsbahnen) der
Bernmobil ersetzt sein. Offenbar gab es da wohl massive Probleme (was man so hört). Warum die Bahnen auf dem Stumpfgleis am
Casinoplatz endeten und nicht (wie geplant) ins
Fischermätteli gefahren sind → nicht gefragt.
Edith da die Zeit meinen Schilderung mittlerweile überholt hat:
Seit Dezember 2024 fahren (lt. www) die
Tramlink stabil und auf die auf der
Tram2000 basierenden Fahrzeuge konnte verzichtet werden. Da hatte ich ja noch mal Glück, irgendwie mag ich die. Damit zu fahren, stelle ich mir nicht einfach vor, da sie mit einem Steuerrad gefahren werden → wobei ich habe ja auch jahrelang
„Kurbler“gefahren – und ob man jetzt mit der linken Hand dreht oder mittig mit Beiden wäre ja mal einen Versuch wert

.
Nicht nur, dass die Ein- und Ausfahrt in das Stumpfgleis mittels einer Lichtsignalanlage weder gegen die
Strab noch gegen den auf der gleichen Fahrbahn fahrenden
IV-Verkehr abgesichert ist, auch steht am Gleisende (des Stumpfgleises) weder ein Prellbock noch existieren Aufschweißungen auf den Schienenköpfen.
Und, dass das zu funktionieren scheint, erkennt man auf meinem Bild – bzw. man erkennt eben keine von der
Tram gezogene Riefen. Offenbar scheinen deren
Fahrpersonal besser geschult zu sein als Einige eines Unternehmens einer
Monopolregion.
Nun, das Gefährt des
Pöstlers hat natürlich nichts mit Personenbeförderung zu tun aber im weitesten Sinne eben mit Gütertransport. Und da es ja inzwischen (wieder) einige
Güterstraßenbahnen gibt, passt es vielleicht doch ganz gut (irgendwo werden – glaube ich – auch wieder Postsendungen mit
Straßenbahnen befördert?).
Außerdem fand ich es unheimlich witzig.
Unnützes Wissen am Rande:
Als ich ihn fragte, ob ich sein Gefährt fotografieren dürfe, bot er mir sogar an, dass ich mich daraufsetze und er würde das Bild machen. Aber Ihr wisst ja eh', wie ich aussehe.
Von der
Münsterplattform (nein, nicht der oben auf dem Turm – da wäre ich nie im Leben hoch – der an das
Münster angrenzende Garten nennt sich wohl so) hat man einen schönen Blick auf die am 24. September 1883 eingeweihte
Kirchenfeldbrücke, eine genietete Schweißeisenkonstruktion die die
Altstadt mit dem Wohngebiet (wie sollte es anders sein)
Kirchenfeld verbindet. Sie war die erst dritte Brücke dieser Bauart in der
Schweiz.
Bemerkenswert finde ich eigentlich auch dass es mitten in der Stadt eine „schlunzige“ Gärtnerei gibt, die nur über eine (steile) Treppe durch einen Keller (mit Blumengeschäft) eines Hauses in der
Herrengasse erreicht werden kann.
Aber Ihr bevorzugt wohl eher ein solches Bild der 229m langen Brücke, die sich mit einer Stützweite von 78m rund 32m hoch über die
Aare spannt.
Nach rund 15km kreuz und quer zu Fuß durch die Stadt (jetzt wäre ein
Beifall angebracht), näherte sich die Abfahrtszeit unseres Zuges. Und obwohl dieser durch das Staatsbahnunternehmen meines Heimatlandes gestellt wurde, wollten wir (typisch
Deutsch) pünktlich am Bahnhof sein, denn: In der
Schweiz können deutsche Züge pünktlich fahren (aber nur bis/über die "Grenze" → danach eher weniger, dass wussten wir jedoch noch nicht – obwohl wir es bereits ahnten

).
Um der Geldentwertung zuvorzukommen „verprassten“ wir in einem netten Cafè nahe dem1641/44 erbauten
Käfigturms unsere letzten
Schweizer Franken. Und nachdem wir zuvor in der ganzen Stadt kein Cafè gefunden hatten, war dies hier „ein Glücksgriff“.
Epilog der Heimreise:
Nachdem wir durch die wohl größte (Bahn-)Baustelle der
Schweiz gelaufen waren (kein Vergleich zum „Chaos einer
Landeshauptstadt“), setzte sich unser Zug pünktlich Richtung Heimat in Bewegung → in
Basel SBB waren 25 Minuten Standzeit für den Lokwechsel vorgesehen.
Hier holte uns die Realität der
DB ein: Die
deutsche Lok ließ sich nicht elektrisch mit den (
Schweizer) Wagen verbinden → nach etlichen Ab- und anstecken der Verbindungen (und Einsatz eines
Schweizer Notfallmanagers, der aber auch nicht helfen konnte), fuhren wir mit +45 aus dem Bahnhof aus.
Gott, wie hatte ich dies die letzten fünf Tage vermisst

.
Die Krönung des Ganzen war dann aber der Schaffner – er erklärte in
Freiburg den Zugestiegenen die Verspätung sei „durch eine verspätete Übergabe des Zuges aus der Schweiz entstanden

.
Mir hat das Schreiben (und die Erinnerung an die Fahrt) jedenfalls Spaß gemacht und gefallen, da hoffe ich doch, Euch auch eine kleine Freude bereitet zu haben.
Salü Erhard
P.S.: Und vergesst bitte nicht
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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.07.25 19:58.