Ich hab mir Deine Frage erst drei Mal durchlesen müssen, daher zuerst mal zur Bezeichnung.
"Mannheimer" waren die Wagen der MVG bzw. MVV-V, im Gegensatz zu den "Ludwigshafenern" der VBL.
Du meinst sicher die "Typ Mannheim". (Es soll ja auch Betriebe geben, bei denen die KSW als "Heidelberger" bezeichnet wurden)
Die Typ Mannheim und die "normalen" Mannheimer Düwags wurden im Prinzip gleichwertig eingesetzt, ABER:
Bis 1985 gab es ja die Linien 1 / 2 (Waldhof - Hbf MA - Vogelstang) und 5 / 6 (Elektrizitätswerk bzw. Neckarstadt West - Hbf MA - Sandhofen). Diese wechselten jeweils das Ziel und die Liniennummer am Hbf MA, und dafür hat man jahrelang die Typ Mannheim wegen der elektrisch umstellbaren Rollbänder bevorzugt. Bei den älteren Düwags musste das Fahrpersonal jeweils kurz vor dem Hbf mal durch den Wagen laufen und Ziel und Linie per Handkurbel umstellen. Als dann ab 1981/82 nach und nach auch die normalen Düwags mit elektrischen Rollbändern ausgerüstet wurden waren die Wagen wieder einigermaßen gleich einsetzbar.
Und mit den 30er- und 40er-Linien ab Frühjahr 1985 gab es ja nur noch die Wechsellinie 42 / 43 (Feudenheim - Paradeplatz - Käfertal), für die die elektrische Umstellbarkeit wichtig war. Aber da waren die Düwags der MVG dann auch alle umgebaut, mit Ausnahme des ersten Lieferloses 312-317 (Baujahr 1958/59), die diesen Umbau nicht erhalten haben und bis 1986 außer Betrieb gingen.
Jahrelang hat man die Typ Mannheim ganz gezielt
nicht nach Ludwigshafen eingesetzt. Hauptgrund war natürlich die Verwendung auf der 1/2 und 5/6, aber es gab auch so fadenscheinige Aussagen wie, die Ludwigshafener Werkstatt sei "mit den Ferspeicherbremsen nicht vertraut" oder im Tunnel "käme man mit dem Hilfslöseschlüssel für die Federspeicher nicht ordentlich an die Drehgestelle heran". Das änderte sich schlagartig im Juni 1982, als für Ludwigshafen der Einsatz von Fahrzeugen mit Indusi und der IMU-Weichensteuerung verpflichtend vorgeschrieben wurde.
Mannheim hatte angefangen, seinen Wagenpark "rückwärts" umzubauen, also grob gesagt bei den höchsten Wagennummern begonnen und sich dann in Richtung der niedrigeren Nummern durchgearbeitet. In Mannheim war der Indusi/IMU-Umbau auch verbunden mit dem Umbau auf Doppelscheinwerfer und doppelte Brems- und Schlussleuchten, das auseinanderlegen der Doppelblinker und dem Einbau von elektrischen Rollbändern, während sich an den Ludwigshafener Wagen durch den Einbau von Indusi und IMU erstmal gar nichts änderte, außer dem deutlich sichtbaren Indusi-Magneten.
Als in LU nun die Indusi zur Vorschrift wurde, hatte man außer den 19 Typ Mannheim nur wenig umgebaute andere Wagen, und somit kamen die Typ Mannheim dann eine Zeitlang zwangsläufig sogar bevorzugt nach LU, und die ganzen füheren Aussagen zu den Federspeicherbremsen erwiesen sich als Unsinn.
Und zum Schluss der zwanzigste:
Ein Einzelstück war der Versuchsträger 470 mit der Choppersteuerung von BBC. Für ihn gab's nur zwei bis drei Handvoll eingewiesene Fahrer. Und da der Wagen öfter durch Störungen "glänzte" wurde er fast ausschließlich auf den Linien 16 und 26 eingesetzt, die relativ nah an beiden Betriebshöfen vorbeiführten und wo ein Wagenwechsel auch leicht zu erledigen war. Der 470 blieb als letzter Typ Mannheim (äußerlich) im Ursprungszustand mit den zusammengefassten Doppelscheinwerfern. Er wurde erst
1982 edit:1984 dem Indusi / Imu-Umbau unterzogen, also gut
zwei edit: vier Jahre nach den übrigen Typ Mannheim. Dabei wurde der BBC-Chopper ausgebaut und der ursprüngliche kurbelbediente Nockenfahrschalter wieder eingebaut, sodass der Wagen technisch wieder ein "ganz normaler" war.
Damals hätten wir es für sinnvoll gehalten,
alle Typ Mannheim mit einer Choppersteuerung auszustatten, statt den 470 zurückzubauen.
Gut fünf Jahre später, bei der Verlängerung der Düwags mit dem Niederflurmittelteil wären auch die Typ Mannheim als jüngste Wagen sicher eine gute Wahl gewesen.
Aber es mussten auch unbedingt 23 Wagen sein, und der Umbau musste billig werden, und so hat man nicht nur die Typ Mannheim nicht genommen, weil es nur 20 Wagen waren. Nein, auch um die Drehgestelle und Gelenkportale aus verschrotteten Standarddüwags weiter verwenden zu können.
Und man hat noch nicht mal die jüngsten Standarddüwags genommen, denn die 1967er-Bauserie (436-450) waren mit 15 Wagen auch wieder zu wenige.
Mit freundlichen Grüßen
Ralph Dißinger a.k.a. Lokleitung
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.01.26 10:36.