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[QR] Scheich, Schmalspur und Doppelstock: Eine Reise nach Ostasien - Teil 1(mB) (262 Klicks)

22. März 2024 19:48
Hallo zusammen,

nach einer kurzen Schreibpause möchte ich mich heute mit einem neuen Reisebericht. Dieser soll uns von Deutschland ausgehend über Katar und Vietnam nach Hong Kong führen und von dort wieder zurück. Stattgefunden hat das Ganze im November 2023.

Wenn ich es mir nun hätte raussuchen können, hätte ich die den Weg nach Vietnam, was das Hauptziel der Reise war, mit der Bahn zurückgelegt. Das ist theoretisch ja zumindest über Russland und China irgendwie möglich bzw. war es noch vor ein paar Jahren. Natürlich eine mehrwöchige An- und Abreise mit einbezogen.

Nun stand also eine Flugreise im Raum. Da fliegen nicht ganz so schön ist wie Bahnfahren und schon nach wenigen Stunden sehr ungemütlich wird, sahen wir uns möglichen Zwischenstopps um.
So kamen wir auf Qatar-Airways, die den Flug nach Saigon mit einem zweitägigen Zwischentopp in Doha anboten.
Als hochsubventionierte Golf-Airline bietet QATAR auch einen besseren Service als andere große Fluggesellschaften. Und auch die Absturz-Statistik kann sich sehen lassen, was einem ein gutes Gefühl gibt.




Vom Frankfurter Flughafen ging es dann gut eingepfercht in diesem Großramflugzeug nach Doha.


Nach etwa 6 Stunden Flug erreichten wir Doha, die Hauptstadt Katars. Verglichen mit dem eher siffig wirkenden Frankfurter Flughafen, der deinen geringfügigen Shopping- und Aufenthaltsbereich sinnfreier Weise auch noch vor den Sicherheitskontrollen hat, wirkte Doha modern, sauber und kundenorientiert. Die Einreise war völlig problemlos. Man bekommt nach kurzer Wartezeit ein kostenloses Visum vor Ort in den Pass.





In Doha angekommen erreicht man die Innenstadt problemlos mit der Metro. Auch unser Hotel haben wir so ausgewählt, dass man es gut mit der Metro erreichen kann.
In der Metro selbst gibt es drei Reiseklassen. Einmal die Standardklasse, dann die Klasse ausschließlich für Frauen und Kinder und die Goldklasse. Die Standardtickets kosten als Tageskarte 1,50 € und in der Goldklasse 7,50 €.
Zwar liegt der Goldklassenpreis beim Fünffachen, aber wenn man gerade 6 Stunden in der Economy-Klasse im Flieger eingepfercht war, kann man sich diesen Betrag mal gönnen. Zumal 7,50 € eher das sind, was man im deutschen ÖPNV für die Nutzung abgeranzter Fahrzeuge zahlt.





Von der Metro aus erreichten wir unser Hotel fußläufig, wobei die Fußwegesituation überraschend gut war. Wenn auch das Hotel selbst nicht direkt auf Gäste ausgelegt war, die nicht auf Gummireifen anreisen.
Das sehr üppige Hotel mit Pool vor der Skyline war als Teil des Sop over-Angebots der Airline vergleichsweise günstig.











Blick auf die Skyline am Tag. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass die Stadt wie in dieser Region der Welt üblich, voll aufs Auto ausgerichtet ist. Dennoch wird der ÖPNV mit Metro, Bussen und Straßenbahn stetig ausgebaut und auch überraschend gut genutzt.






Die Verkehrsschilder vor Ort waren mir durchaus ein Foto wert







Es gibt zwei verschiedene Arten von Stadtbussen. Diese knuffigen Gefährte hier machen die Feinraumerschließung um die Metrohaltestellen. Allerdings sind sie nicht mit der Metro-Tageskarte nutzbar. Man braucht offenbar eine App. Das war uns dann zu hoch, sodass wir auf eine Mitfahrt verzichteten. Man erhält zwar am Flughafen ohne weiteres Sim-Karten für das lokale Mobilfunknetz. Wir sparten uns diese jedoch aufgrund unserer kurzen Zeit vor Ort.






Neben der Metro und den Bussen gibt es in Doha aktuell zwei Straßenbahnsysteme. Eines schließt im Norden der Stadt an der Haltestelle Legtaifiya an die Metro an und verläuft derzeit vollständig unter der Erde. In einer weiteren Ausbaustufe werden an den Tramtunnel mehrere oberirdische Strecken anschließen, die derzeit noch im Bau sind. Zum Einsatz kommen recht ansehnliche Altstom Citadis, die man zum Zeitpunkt unseres Besuches nur durch die Glasscheibe betrachten konnte. So sehen die Bahnen "augepackt" aus: [www.railway-technology.com]

Das ist damit auch die erste U-Strab mit Bahnsteigtüren, die mir bisher untergekommen ist.







So sehen die Abgänge aus. Generell wirken die Anlagen sehr sauber, aufgeräumt und von wertiger Qualität.






Die Metro existiert seit 2019 und besteht aus derzeit drei Linien mit einer Netzlänge von ca. 80 km. 40 weitere km sind in Planung oder Bau. Besonders erfreulich ist, dass die Züge fahrerlos unterwegs sind, sodass man einen guten Blick aus dem Frontfenster hat.
Und auch, wenn wir uns hier am Ende des Jahres befinden, herrschen hier "frische" Temperaturen von deutlich über 30 Grad, sodass man sich in der Metro gut abkühlen kann.








Grundsätzlich ist das Doha, das wir heute erleben können mit seinen vielen modernen Gebäuden und seiner Infrastruktur erster Güte ein Produkt der letzten 10 - 20 Jahre. Ein klassisches langsames Wachstum, wie wir das in Europa kennen, gab es hier nicht. Dennoch gibt es noch so etwas wie eine Art Altstadt, die wohl teilweise auch historischen Ursprung bzw. Vorgänger hat, jedoch größtenteils eher eine Art "Disneyland" ist.
Das sieht hübsch aus, ist aber nicht echt. Verglichen mit "echten" Altstädten wie etwa in Istanbul oder Jerusalem hat man daher auch keine außen hängenden Versorgungsleitungen.

Am Tag ist hier aufgrund der oft drückenden Hitze kaum ein längerer Aufenthalt möglich.




Am Abend sieht das schon ganz anders aus. Hier sind die Straßen der Altstadt erheblich belebter.







Direkt neben der Altstadt gibt es noch ein "modernes Zentrum" mit zahlreichen ausgedehnten Fußgängerbereichen. Um hier nicht allzu weit zu Fuß gehen zu müssen gibt es eine kleine Ring-Straßenbahn, welche mit in den USA gebauten Wasserstoffbahnen betrieben wird.
Hier sieht man dann im Gegensatz zur Metro auch verstärkt einheimische Bevölkerung, die an der Gesamtbevölkerung nur ca. 15 % ausmacht und eher MIV-affin ist.









Blick auf die Skyline am Abend








Auf der im Linksverkehr betriebenen Metro gibt es auch immer wieder Hochbahnabschnitte, welche einen Blick auf die Umgebung ermöglichen.
Man kann in Doha auch seinen Tag verbringen, ohne überhaupt rauszugehen in die "feindliche Umwelt" und das sogar mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Man kann vom klimatisierten Hotel in die klimatisierte Metro und mit der dann in eine Klimatisierte Mall und von der dann in die nächste.

Die Stadt, ihre Erscheinung und ihre Funktionen sind damit anders als wir das mit historisch gewachsenen und wohl tempereierten Europa kennen. Aus diesem Aspekt heraus ist das eigentlich ganz interessant zu sehen.







Eine Shopping-Mall als "fake-Venedig" auszuführen mag auf den ersten Blick absurd wirken, erinnert jedoch etwas an Las Vegas. Und daran schien man sich wohl zu orientieren.
Auf den zweiten Blick bietet das natürlich schon mehr, als ein 08/15-Shoppincenter.







Eine klassische lokale Küche, die zumindest auch entsprechend abseits von "Touri-Nepp" angeboten wird schien es nicht wirklich zu geben. Aber wenn man kulinarisch etwas sagen kann: Es gibt wohl kaum eine Systemgastro-Kette, welche in Doha nicht mindestens eine Filiale hat. So war es für uns jetzt auch kein Problem hier einfach die uns schon bekannte und für gut befundene US-Kette Cheescakefactory zu besuchen.
Der Service war sehr gut und mit dem aus den USA bekannten "Free-Refill"-Konzept der Getränke.








Wieder zurück am Flughafen konnte ich mein letztes Bahnfoto in Katar machen, bevor es wieder in den Flieger ging.






Der bevorstehende Flug über Nacht war mit seinen 9 Stunden durchaus anstrengend. Mit einem Abflug am späten Abend in Doha sollten wir Saigon am nächsten Nachmittag erreichen. Da waren natürlich auch noch mehrere Mahlzeiten inbegriffen. Das Essen ist hier deutlich besser als etwa bei der Lufthansa, doch mein Favorit beim Flugzeugmampf ist nach wie vor Turkish Airlines.
Auch der Service an Bord mit der Getränkeversorgung war deutlich besser als aus dem ersten Flug, was aber wohl einem weniger turbulenten Wetter geschuldet war.


Zu Katar selbst noch abschließend: Es war interessant und einen Abstecher wert. Ich finde, das sollte man mal gesehen haben. Daher würde ich künftig auch mal in anderen ähnlich strukturierten Golfstaaten einen Zwischenstopp einlegen. Doch wenn man nicht gerade beruflich dort zu tun hat, denke ich dass da ein paar Tage ausreichen, um das Wesentliche gesehen zu haben.
Soweit ich das erlebt habe, waren alle Menschen sehr freundlich, es war alles sauber, ordentlich und aufgeräumt. Wie ein Las Vegas ohne Casinos, Dreck und (offene) Prostitution.


Im nächsten Teil wird es dann um Saigon gehen.

Bis dahin, alla hopp!
Thema Autor Datum/Zeit

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Tw237 22. März 2024 19:48

Re: [QR] Scheich, Schmalspur und Doppelstock: Eine Reise nach Ostasien - Teil 1(mB) (126 Klicks)

Lokleitung 22. März 2024 20:36

Re: [QR] Scheich, Schmalspur und Doppelstock: Eine Reise nach Ostasien - Teil 1(mB) (83 Klicks)

H.F.,eh. F. 23. März 2024 19:18



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